Interview mit dem Altenpflegeschüler Riza Gün

Riza Gün (32) macht eine Ausbildung zum Altenpfleger. Er besucht für die theoretische Ausbildung die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Diakonie Neuendettelsau in Neunkirchen am Sand. Die praktische Ausbildung erhält er im städtischen Alten- und Pflegeheim der Glockengießer Spitalstiftung in Lauf.


Wie sind Sie auf die Ausbildung zum Altenpfleger gekommen, was war der Anlass für Ihre Berufswahl?

Nachdem ich eine Ausbildung zur Fachkraft für Brief- und Postverkehr absolviert hatte, aber keinen Arbeitsplatz fand, jobbte ich erst einmal in der Industrie. Durch einen Bekannten, der auch die Ausbildung zum Altenpfleger gemacht hat, kam ich in Kontakt mit diesem Berufsbild. Seine Erzählungen aus dem Berufsalltag weckten bei mir zum einen das Interesse an dem Beruf Altenpfleger, zerstreuten aber auch meine Bedenken, dass ich für die Anforderungen dieses Berufes nicht geeignet wäre. Ein soziales Praktikum, vermittelt durch das  BFZ in Nürnberg, half mir dann, mich beruflich neu zu orientieren.

 

Wo arbeiten Sie?
Ich arbeite im Alten- und Pflegeheim der Glockengießer Spitalstiftung St. Leonhard in Lauf an der Pegnitz.

 

Was müssen Sie da tun?
Ich unterstütze die Bewohner zum Beispiel morgens bei der Grundpflege. Dabei helfe ich Ihnen beim Waschen und  Eincremen, ich schneide das Frühstück in portionsgerechte Happen, richte die Getränke her und unterhalte mich dabei mit dem Bewohner.
Im Fall von bettlägerigen Menschen verändere ich die Lagerung. Dabei lasse ich auch Prophylaxe bei der Grundpflege mit einfließen so dass ich beispielsweise die Gelenke des Patienten beim Waschen bewege. Nach dem Frühdienst erledige ich über den Tag verteilt alle anfallenden Arbeiten, die der Stationsdienst mit sich bringt.

 

Was mögen Sie besonders an ihrer Ausbildung?
Mir gefällt der Kontakt mit den Bewohnern, auch die kleinen Gesten der Dankbarkeit oder auch der erfreute Gesichtsausdruck, wenn ich nach einer Schulwoche wieder zum Dienst antrete. Und es freut mich richtig, wenn etwas in der Praxis gut funktioniert, das ich in der Theorie gelernt habe. Das begeistert mich fast.

 

Was macht Ihnen dabei weniger Spaß?
Der Zeitdruck im Arbeitsalltag ist manchmal enorm. Ich würde mir wünschen, meine Zeit anders einteilen zu können, damit ich mir für bestimmte Dinge mehr Zeit nehmen kann. Vor allem, um mich mit den Bewohnern in Ruhe unterhalten zu können, ohne Hetze und schlechtem Gewissen.

Und es geht einem schon nahe, wenn ein Bewohner stirbt. Durch den kontinuierlichen Kontakt stellt man eine Beziehung zu den einzelnen Menschen her. Oft sind diese krank und man muss damit rechnen, dass der Patient bald stirbt. Bei manchen sah ich es als Erlösung von einem schweren Schicksal, bei einigen überraschte es mich.
Aber es berührt einen immer! 

 

Welche Fähigkeiten sollte ein Azubi für eine Ausbildung als Altenpfleger/-in mitbringen?
Aus meiner Sicht ist es wichtig, sozial eingestellt zu sein, prinzipiell allen Menschen offen gegenüber zu treten. Die Bewohner eines Alten- und Pflegeheims sind oft in sich gekehrt, da bedarf es manchmal schon besonderer sozialer Kompetenzen, um den Draht zu Ihnen zu finden.


Würden Sie die Ausbildung nochmal machen?
Ja, ich bereue es nicht. Es war die richtige Entscheidung, noch eine zweite Ausbildung zu machen, denn ich sehe, dass ich an diesem Platz meine Fähigkeiten richtig sinnvoll einsetzen kann.


Entspricht die Ausbildung Ihren Erwartungen?
Das Schulpensum ist komplexer als ich erwartet habe. Man muss schon ganz schön lernen und auch ehrgeizig sein.

Wie sieht das Gelernte in der praktischen Umsetzung aus?
Es ist immer wieder ein Erfolgserlebnis, wenn sich die Theorie in der Praxis bewährt und den Arbeitsalltag einfacher macht. In der Schule in Neunkirchen können wir auch unsere Lehrer um Rat fragen, wenn am Arbeitsplatz Herausforderungen auftreten, die bisher noch nicht da waren oder wenn Probleme auftauchen. Unsere Lehrer haben das aktuellste Fachwissen parat, so dass wir dann auch ab und zu unsere älteren Kollegen sozusagen Updaten können. Die finden das auch super.


War es einfach einen Ausbildungsplatz zu finden?
Bei mir war es anfangs schwierig. Schon mal als Mann und dann noch ausländischer Herkunft. Ich habe aber nicht aufgegeben und konnte die mir entgegen gebrachten Berührungsängste durch ein persönliches Gespräch entkräften. So kam ich zu einer Praktikumsstelle und dann auch zu einem Ausbildungsplatz in meiner Heimatstadt Lauf, im städtischen Alten- und Pflegeheim der Glockengießer Spitalstiftung St. Leonhard.

 

Welche Schulbildung haben Sie?
Ich habe den mittleren Bildungsabschluss, Quabi.

 

Was ist Ihr Lieblingsfach?
Psychologie und Soziologie. Die Interaktion zwischen Menschen ist wirklich sehr interessant. Dabei habe ich gelernt, dass man die Entscheidungen unserer Bewohner und Patienten achten muss. Deshalb respektiere ich auch Entscheidungen, sich beispielsweise nicht am allgemeinen Freizeitprogramm beteiligen zu wollen und überrede diese Menschen auch nicht dazu. Nicht nur Psychologie auch Altenpflegetheorie und ihre Ergänzung durch die Praxis bilden für mich eine spannende Ergänzung füreinander.

 

Was hat Sie bisher bei Ihrer Ausbildung am meisten berührt?
Die Anforderungen an diesen Beruf sind hoch. Zu Schulbeginn waren wir 31 Schüler, deren Zahl sich nun auf 17 reduziert hat. Darunter waren echt interessante und liebenswerte Menschen, die zum einen die Probezeit nicht bestanden haben, aber auch von selbst die Ausbildung abbrachen. Beim ein oder anderen hat mich das berührt und ich fand es sehr schade, da ich mich gut mit ihnen verstand.


Gibt es die Utopie einer idealen Arbeitsstelle als Altenpfleger…  oder besser gesagt, was würden Sie anders machen?
Ich sehe täglich, wie wenig sich manche alten Menschen leisten können, obwohl sie ein Leben lang gearbeitet haben. Oft bekommen sie sogar eine zweifache Rente, es reicht aber dennoch nicht aus, um sich neben dem Heimplatz auch noch ein wenig Luxus leisten zu können. Und damit meine ich Dinge wie Schokolade oder mal eine Zeitschrift oder eine Packung Zigaretten, die man sich nicht erst vom Rest absparen muss. Das tut mir dann richtiglLeid für diese Menschen und daher wäre meine Utopie ein Alten- und Pflegeheim, das finanzierbar ist und sich alle Menschen leisten können.
Die Alten-WGs weisen wohl einen Weg, aber auch durch die kontinuierliche Forschung auf diesem Gebiet wird sich in nächster Zeit bei uns hier in Deutschland wohl einiges ändern und damit auch verbessern.

Kontakt

Berufsfachschule
für Altenpflege & Altenpflegehilfe
Lauf a. d. Pegnitz

Händelstraße 4
91207 Lauf

Tel. 09123 - 83517

Fax 09123 - 82697

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