Interview mit der Altenpflegeschülerin Miriam Benseler

Miriam Benseler

Miriam Benseler (21) macht eine Ausbildung zum Altenpflegerin. Sie besucht für die theoretische Ausbildung die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Diakonie Neuendettelsau in Neunkirchen am Sand. Die praktische Ausbildung durchläuft sie im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Nürnberg, welches ebenso zur Diakonie Neuendettelsau gehört.


Wie sind Sie auf die Ausbildung zur Altenpflegerin gekommen, was war der Anlass für Ihre Berufswahl?


Nach der Realschule besuchte ich die FOS, machte dort aber keinen Abschluss und entschloss mich dann ein freiwilliges soziales Jahr in einer sozialen Einrichtung zu machen. So arbeitete ich ein Jahr lang in Vollzeit im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Nürnberg, einer Einrichtung der Diakonie Neuendettelsau. Dort sammelte ich Lebenserfahrung und erkannte dabei auch meine Stärken und Schwächen. So stellte ich fest, dass ein sozialer Beruf in dieser Fachrichtung genau das Richtige für mich ist. Daher bewarb ich mich beim Kompetenzzentrum für Demenz um eine Ausbildungsstelle und entschied mich für die Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Diakonie Neuendettelsau in Neunkirchen am Sand.

 

Wo arbeiten Sie?
Ich arbeite im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Nürnberg. Diese Einrichtung ist ein innovatives Projekt, das neue Wege in der Begleitung, Betreuung und Pflege dementer Menschen geht. Die Architektur des Gebäudes beispielsweise ist speziell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Menschen mit Demenz ausgerichtet. Die familienähnliche Atmosphäre in den kleinen, überschaubaren Wohngruppen vermittelt den Bewohnern Halt und Geborgenheit. Die Altenpfleger und Altenpflegerinnen unterstützen diese familiäre Atmosphäre indem sie ihre Privatkleidung bei der Arbeit tragen.

 

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?
Im Vordergrund meiner Tätigkeiten steht die Hilfe für die Heimbewohner, morgens hauptsächlich bei der täglichen Grundpflege. Dabei unterstütze ich diese und bin dem Patienten beim Waschen, Eincremen, Haare kämmen etc. behilflich. Daneben leiste ich auch Hilfe zur Selbsthilfe, indem ich unsere Bewohner anrege, viele Dinge selbst durchzuführen bzw. ich leite sie an, Bewegungsabläufe auszuführen.
Im hauswirtschaftlichen Bereich übernehme ich Tätigkeiten wie die Frühstückszubereitung. Daneben leite ich die alltäglichen Arbeiten, die der Stationsdienst fordert. Dazu gehören auch Anteile der Behandlungspflege, die der Arzt anordnet. 

Was mögen Sie besonders an Ihrer Ausbildung?
Ich freue mich über die Anerkennung, die ich von den Bewohnern erhalte. Wenn ich ihnen beispielsweise helfen kann, ihre Selbstständigkeit zu bewahren und die Übungen funktionieren, die ich als Teil der aktiven Pflege mit einbaue.

Was macht Ihnen dabei weniger Spaß?
Es ist wenig Personal vorhanden und das bedeutet für den einzelnen auch mehr Arbeit. Das macht einen dann schon sehr traurig, wenn man jemanden sitzen sieht, der eigentlich ein wenig Aufmunterung oder Zuneigung bräuchte. Man kann es sich aber oft wegen der kanppen Zeit nicht leisten, länger hinzugehen und demjenigen die nötige Zuwendung zu geben.


Welche Fähigkeiten sollte ein Azubi für eine Ausbildung als Altenpfleger/-in mitbringen?
Wenn man in der Betreuung und Pflege alter Menschen arbeitet, sollte man keine Berührungsängste anderen Menschen und vor allem älteren Menschen gegenüber haben und auch viel Einfühlungsvermögen mitbringen. Es ist für diese Menschen oft nicht leicht, den Wechsel ihrer Umgebung zu verkraften. Und auch für den Pflegenden ist es nicht immer einfach das Verhalten von Menschen, die an Demenz erkrankt sich, nachzuvollziehen.

 

Würden Sie die Ausbildung nochmal machen?
Bis jetzt würde ich sagen: Ja, auf alle Fälle!


Entspricht die Ausbildung Ihren Erwartungen?
Ich hatte schulisch nicht so viel Stoff erwartet. Man muss sich wirklich viel theoretisches Wissen für diesen Beruf aneignen. Dabei ist es für den Einzelnen sehr hilfreich, dass jeder Altenpflegeschüler eine Anleitung hat. Das ist eine Fachkraft, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Und sollte diese auch mal keinen Rat wissen, so können wir jederzeit unsere Lehrer in der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe in Neunkirchen am Sand befragen. Diese haben nicht nur ein offenes Ohr für unsere Anliegen, sondern können uns auch immer mit den aktuellen Pflegestandards weiterhelfen.

 

Wie sieht das Gelernte in der praktischen Umsetzung aus?
Man kann das erworbene Wissen gleich sehr gut in der Praxis umsetzen. Manchmal muss man es auch erst austesten. Das erleichtert den Arbeitsalltag dann enorm. Früher im sozialen freiwilligen Jahr habe ich einige Dinge einfach so gemacht, die ich nun mit dem nötigen Fachwissen schneller und kompetenter handhaben kann.

 

War es einfach einen Ausbildungsplatz zu finden?
Für mich schon, da ich mich in der Einrichtung, in der ich mein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht habe, auch um einen Ausbildungsplatz beworben habe.

 

Welche Schulbildung haben Sie?
Ich habe den mittleren Bildungsabschluss, die mittlere Reife.

 

Was ist Ihr Lieblingsfach?
Psychologie. Es ist erstaunlich wie viel besser man sich in seine Mitmenschen mit diesem Wissen hineindenken kann. Es erleichtert sehr viel.

 

Was hat Sie bisher bei Ihrer Ausbildung am meisten berührt?
Ich freue mich über die Anerkennung, die ich von den Bewohnern erhalte. Vor allem dann, wenn diese von Bewohnern kommt, die einem gegenüber anfangs eher zurückhaltend oder skeptisch waren.

 

Gibt es die Utopie einer idealen Arbeitsstelle als Altenpfleger…  oder besser gesagt, was würden Sie anders machen?
Dieses Thema hatten wir im Unterricht auch schon mal als Gruppenarbeit behandelt. Ich entwarf mit meiner Gruppe einen Mehrgenerationenhof, in dem auch die Angehörigen der alten Menschen voll miteinbezogen wurden. Das ist wichtig, vor allem für die Sozialkontakte der alten Menschen. Für die behandlungspflegerischen Dienste waren in unserem Mehrgenerationenhof dann die Pflegekräfte zuständig. Die noch rüstigen älteren Bewohner konnten sich mit ihren Fähigkeiten so weit möglich im Arbeitsalltag des Hofes mit einbringen. So entstand ein buntes Bild, das mit Leben gefüllt ist, vor unseren Augen. Ich würde mir wünschen, dass die Zukunft dahin ginge.
Einen Anfang in diese Richtung sehe ich im Zustandekommen von immer mehr Alten-WGs hier in Deutschland und innovativen Konzepten wie kleinen, überschaubaren Wohngruppen in Alten- und Pflegeheimen wie es im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz schon praktiziert wird.

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für Altenpflege & Altenpflegehilfe
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